Seit gut zwei Wochen erhitzt ein medial breitgetretener Referentenentwurf zur Änderung des Gebäudeenergiegesetzes die Gemüter. Aus den Medien haben wir alle erfahren, dass 2024 das Aus für Gas- und Ölheizungen kommen soll. Wir haben die SHK-Fachbetriebe in NRW gefragt, wie sie die aktuelle Situation erleben. Hier die vorliegenden anonymisierten Antworten auf unsere kleine Umfrage im Überblick.
"Dank immer wieder plötzlich losgelassener realitätsferner Aussagen von fachfremden Politkern kommt es vermehrt zu Anrufen verunsicherter Kunden. Nicht nur müssen wir alle uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zur Organisation und Bewältigung bereits rechtskräftig beschlossener Maßnahmen nutzen, ob diese Maßnahmen nun sinnvoll sind oder nicht (Stichwort Heizungsprüfung). Wir haben nun auch noch regelmäßig zusätzlich Kapazitäten freizuhalten, falls wieder unrealistische Kommentare seitens der Politik in die Medien geblasen werden und dadurch viele (nachvollziehbarer Weise) verunsichert sind. Notwendiger Druck auf die Wirtschaft und Hausbesitzer um dringend notwendige Maßnahmen zu Energieeinsparungen auch umzusetzen ist sicherlich zielführend. Bei der Wahl des "Drucks" jedoch die Realisierbarkeit und Sinnhaftigkeit derart geringschätzig nur einfließen zu lassen, raubt uns unnötig Kapazitäten, die wir zielführender für wirklich umsetzbare und technisch sinnvolle Maßnahmen dringend benötigen würden."
"Die Frage nach der Finanzierung/Preisgestaltung der etwaigen Anlagen mit 65% Anteil an erneuerbaren Energien beschäftigt die Kunden und mich. Die Umsetzung der Projekte (Platzmangel im Heizungskeller, Grundstück u.ä.) und Auflagen z.B. des Standortes einer Außeneinheit wird und ist schon jetzt ein Problem, neben dem deutlich zunehmenden Zeitaufwand von Planung und Durchführung des Projektes. Auch die Kopplung verschiedener Gewerke (SHK/Elektriker/Tiefbauer/Inbetriebnahme durch Hersteller) ist problematisch. Vom klassischen Kesselwechsel hin zur gesamtenergetischen Sanierung des Wohnhauses treibt es uns um."
"Die Bundesregierung glänzt mal wieder durch Panikmache und unerfüllbare Forderungen. Weder die Industrie, noch das Handwerk ist in der Lage, diese Forderungen zu erfüllen. Außerdem wird hier völlig vergessen, dass der Investitionsaufwand für eine Wärmepumpe deutlich höher ist. Zusätzlich steigen dann auch noch die Verbrauchskosten. Eine Wärmepumpe im Bestand spart halt nur Energie, aber kein Geld!"
"Viele möchten jetzt noch schnell eine neue Gasheizung oder sind total verunsichert."
"Es herrscht totale Panik auf einmal"
"Die Kunden sind sehr stark verunsichert, gerade ältere möchten so schnell wie möglich ihre Gas- oder Ölheizung noch ersetzen. Für uns werden die Probleme immer größer, was mal das Personal Problem war wird immer mehr das Problem der Materialbeschaffung und der Preissteigerungen. Da kommen die Zusatzbelastungen durch die stark erhöhten Anfragen leider nicht so gut. Mit der Bearbeitung von Anfragen und Angeboten kommen wir kaum noch nach. Zurzeit sind die Kunden sehr unentspannt, was es den Mitarbeitern im Büro nicht gerade leichtmacht. Leider schmeißt unsere Regierung mit Aussagen nur so um sich, sind sehr gespannt wie es weitergehen soll."
"Die Verunsicherung u. Panik ist sehr groß. Die Anfragen steigen u. Beratungsaufwand wächst enorm mit der Gewissheit all dies nicht umsetzen zu können, da es nicht genügend Wärmepumpen noch Brennwertgeräte gibt und man dies auch zeitlich nicht bewältigen kann. Wenn nicht schon seit Jahren von einigen politischen "Extremisten" immer wieder Verbote um Verbote für Öl u. Gas gefordert würden, was zu Verunsicherung um das beste zukünftige Heizsystem bei den Kunden geführt hat, wären heute schon tausende von alten Heizwertgeräten gegen neue Brennwertgeräte getauscht worden, was zu einer entspannteren Lage bei der Energiebeschaffung, des CO2-Ausstoßes u. den Finanzen beim Endverbraucher geführt hätte.
Viele ältere Kunden, die sich Häuser zur Altersvorsorge gebaut haben, wissen gar nicht, wie sie all die möglichen Kosten bewältigen sollen. Manche denken schon an übereilten Verkauf der Häuser oder eine deutliche Mieterhöhung. Zumal in den letzten Jahren genug Auflagen für den Wohnungsbau hinzugekommen sind, welche die Betriebskosten für Gebäude erhöhen.
Die extrem gestiegenen Kosten für Material bei gleichzeitiger Abschaffung der Förderungen u. die finanziell angespannte Lage nach Corona u. Kriegsbeginn für das alltägliche Leben (Energie u. Lebensmittel), lässt vielen Kunden kein großen Spielraum für teure Anschaffungen."
"Bei vielen Kunden gibt es Einbausituationen, die den Einbau von Wärmepumpen erschweren. Z.B. Altbausanierung mit Heizkörpern ohne Wärmdämmmaßnahmen an der Gebäudehülle, Gastherme im Spitzboden mit geringer Deckenhöhe oder Gasetagenheizungen im Mehrfamilienhaus. Wir benötigen einen technologieoffenen Wettbewerb der verschiedenen Heizsysteme um den Kunden passgenau die wirtschaftlichste u. ökologisch sinnvollste Heizung einzubauen. Verbote sind das schlechteste was man machen kann. Denn die stetige Weiterentwicklung von Brennwertgeräten hat in den letzten Jahren für eine deutliche Reduzierung der Treibhausgasen geführt. Außerdem ist nicht auszuschließen, dass durch eine neue technische Entdeckung die Brennwerttechnik wirtschaftlich noch mehr verbessert wird. Dies gelingt aber nicht mit Verboten, die zur Einstellung der Erforschung u. Entwicklung von Technologien führt. Außerdem hat die nun endlich in der Öffentlichkeit verbreitete Meldung bezüglich der Kältemittel und ihrer Gefahren für weiteren Aufklärungsbedarf gesorgt."
"Wie bekannt, sind die Kunden SEHR verunsichert. Teilweise werden sehr abstruse Wünsche und Vorstellungen der Endkunden, basierend auf der unübersichtlichen Gemengelage, an mich herangetragen. Leider können wir da auch nicht wirklich für Aufhellung sorgen. Und das ist besonders bitter, dass selbst wir es als Fachmänner und Fachfrauen nicht wissen und auch nicht einschätzen können, was unsere Regierenden wirklich durchsetzen wollen."
"Die Kunden sind stark verunsichert. Sie erwarten eine möglichst kostenfreie und eindeutige Beratung, die aber durch die politischen unklaren Aussagen kaum möglich sind. Das Arbeitsaufkommen ist angestiegen."
"Es fehlt an Material und Fachkräften. Deshalb lehnen wir jetzt schon Anfragen ab."
"Es herrscht hektische Betriebsamkeit, aber keine "Panik". Viele Endkunden halten sich bei Kundendienstaufträgen zurück. Im Großprojektbereich werden Aufträge storniert, gekürzt, auf Halde gelegt..."
"Das Investitionen getätigt werden müssen steht fest, die gewollte Höhe der Investition ist jedoch stark rückgängig."
"Die Vorstellungen von Herrn Habeck sind völlig realitätsfern. Viel Leute treibt die Angst um, weil sie nicht wissen, wie Sie das alles stemmen sollen? Eine Wärmepumpe und zusätzlich noch evtl. Biomasse, weil das in die Jahre gekommene Eigenheim mit einer Wärmepumpe allein nicht sinnvoll beheizt werden kann – liebes Deutschland, wer soll das alles bezahlen?"
"Die Kunden sind verunsichert und schimpfen auf die Politik. Die Beratung ist sehr schwierig, weil wir ausschließlich Bestandskunden haben, wo die Wärmepumpe weder zum Haus noch zu deren Geldbeutel passt."
"Es herrscht eine große Unsicherheit bei den Endkunden"
"Wir bekommen erhöhte Anfragen zum 1-1-Tausch der Heizungsanlagen, diese sind aber schon älter als 15 Jahre. Einen "panischen Ansturm" wurde ich es aber nicht nennen."
"Es wird, wie Sie beschreiben, Hals über Kopf gehandelt. Für uns absolut unverständlich. Biomassekessel! - man sagt CO2 neutral. Erst einmal stimmt es nicht, und, wir wollen CO2 sparen. Wie viele Eigentümer gehen in den Konkurs oder würden Zahlungsunfähig bei solch immensen Anschaffungen. Bei einem Einfamilienhaus ist es evtl. noch machbar..."
"Wir sind überfordert!"
"Die Kunden möchten alle noch eine neue Heizung haben. Sie sind verunsichert."
"Kunden sind total verunsichert und streben Panikkäufe an. Leider ist aber schwer an die passende Anlage zu kommen. (Materialknappheit)/Fachkräfte fehlen und die Preise sind leider in jedem Sektor explodiert."
"Der "Schnellschuß" geht in die völlig falsche Richtung; hiermit werden die Klimaziele sicher verfehlt!"
"Teils panische Reaktionen sowohl bei Kunden aber auch bei Mitarbeitern. Alle Kunden sind verunsichert, viele wollen den 65% -Anteil umgehen und lassen sich in diesem Jahr noch eine Öl- oder Gasheizung einbauen. Diese Panikmache ist für alle Beteiligten keine Lösung, zumal die Regierung auch planlos wirkt."
"Die Kunden können die Situation nicht einschätzen. Sie sind verunsichert und suchen Hilfe bei uns Handwerker als Berater hinsichtlich Gesetzgebung und Förderrichtlinien – dem können wir nicht gerecht werden."
"Kunden sind verärgert über die Bevormundung durch grüne Allmachtsphantasien."
"Bei den Kunden ist eine totale Unsicherheit vor allen bei sozial schwachen Hausbesitzern die Angst vor den hohen Kosten haben. Mehr als 50% des Gebäudebestandes sind nicht für Wärmepumpen geeignet. Die Lieferzeiten, besonders bei Wärmepumpen, sind zu lang um eine Preisangabe machen zu können."
"Durch die Ankündigungen von Herrn Habeck wird die ohnehin sehr angespannte Situation in unserer Branche nur noch verschlimmert. Durch solch eine Vorgehensweise wird noch mehr Verunsicherung bei der Bevölkerung ausgelöst."
"Bei unseren Kunden herrscht große Unsicherheit und hektische Betriebsamkeit. Eine Darstellung der Fakten lässt aber eine sachliche Beratung wieder zu. Kein Grund zur Panik."
"Zu viele Anfragen, ausgelöst durch die Panikmache der Regierung. Selbst der Kundendienst kommt nicht mehr zu seiner Arbeit, da er ständig (Nach-)Fragen beantworten muss. Eine Katastrophe, was sich die Wichtigtuer in Berlin ständig ausdenken. Komplettes Versagen der Regierungsparteien."
"Die Regierung ist offensichtlich völlig planlos! Kunden und auch wir sind total verunsichert."
"So kurzfristig ist es nicht machbar."
"Die Kunden realisieren die Bedeutung noch gar nicht. Andere finden es solange "gut und richtig" bis Sie die Preise sehen. Wir haben nicht die Zeit, individuell und mal grade so, am Telefon zu erklären, was "evtl." Fakt sein wird. Und es geht immer weiter. Irgendwann steht in der Zeitung: "Ab 2023 Luftholen verboten"."
"Es gibt aktuell wenige Kunden, die konkrete Sorgen haben. Wir haben den Eindruck, dass viele nicht wahrhaben wollen, wohin die Reise geht und glauben der Staat wird sie umfangreich unterstützen. Dass ein gesetzlicher Zwang naht, ist vielen nicht klar. Wir sorgen uns daher um eine große Welle, die wir vor uns herschieben und versuchen so sensibel wie möglich die Kunden zu informieren.
Noch hält sich der Beratungsaufwand in Grenzen. Wir haben überlegt, allen Kunden mit der nächsten Wartungsrechnung im April weitere Informationen z.B. zur Heizungsprüfung zu senden. Davon sind wir weg, denn den zu erwartenden Ansturm können wir nicht vernünftig abarbeiten. Und so warten wir, was da kommt ;-). "
"[…] Die Verunsicherung ist riesig und es frisst unsere Arbeitszeit. Deren "Schietkram" in endlosen, teils hoch emotionalen (Hassreden auf die jetzige! Regierung) richtigstellen zu müssen ist eine unproduktive Zumutung und ein Eingriff in unsere Arbeitszeit. Außerdem habe ich im Augenblick wöchentlich mindestens ein Gespräch in dem ich als Gutachter erklären muss, warum denn die tolle, und so energiesparende Wärmepumpe solche extrem hohen Stromkosten erzeugt.... und ich erkläre dann den ratlosen Klienten, dass sie zu über 10 % mit Braunkohle heizen."
"Ein Großteil der Kundschaft hat sogar Existenzängste aufgrund der angekündigten Vorschriften. Häuser die in der Finanzierung sind, und deren meist ältere Besitzer können keine Darlehen mehr für größere Umbauten aufnehmen."
"Die Kunden sind verunsichert und entscheiden sich überstürzt für den Austausch der Öl- bzw. Gasanlagen. Diese Anlagen könnten noch einige Jahre ohne Probleme betrieben werden, aber die Kunden haben Angst, da eine wirkliche Alternative zu Gas- bzw. Öl-Heizungen für sie nicht bestehen."
"Es herrscht eine starke Verunsicherung auf beiden Seiten, was soll man machen. Daher enden viele Gespräche in "wir gucken mal, was passiert"."
"Wenn schon die EnSimiMaV zur Heizungsüberprüfung nicht funktioniert und nur für ein zusätzliches Entgelt bei den Schornsteinfegern führt, ist abzusehen was eine solche gesetzliche Regelung bringen soll. Schon heute bekommt man manchmal in fast Neubaugebieten keine Freigabe für die Installation einer elektrischen Ladebox.
Es ist zu erwarten, dass unser derzeitiges Stromnetz mit Wärmepumpen, Photovoltaik und E-Autos überlastet sein wird. Zudem haben Wärmepumpen Lieferzeiten die jenseits von Gut und Böse sind. Das gleiche gilt für die Preisgestaltung."
"Ich erlebe die Kunden noch relativ entspannt. Eine gute Beratung und gut zureden hilft schon. Kurzfristige Heizungstauschprojekte sind mir nicht bekannt. Die meisten Kunden steigen auf ein neueres Gerät um, um Gas einzusparen, weil man sie nicht von der Wärmepumpentechnik überzeugen kann bzw. der finanzielle Spielraum nicht gegeben ist..."
„Schrecklich"
„Nach der Corona Geschichte wird immer wieder eine neue Sau durch´s Dorf getrieben. Die Kunden haben mittlerweile eine aggressive Grundeinstellung. Sie spüren die Inflation, immer weniger steht auf dem Küchentisch und immer mehr [Leute] wollen irgendetwas. Wir haben hier 3/4 unseres Dorfes umgegraben und die Menschen vom Öl zum Gas gebracht, klasse. Junge Familien die ein Haus vor 1-2 Jahren gekauft haben, eine halbwegs vernünftige Finanzierung bekommen haben, oder auch Menschen jenseits der 50, die nur schwer eine oder so gut wie keine Finanzierung mehr bekommen. Dazu kommt ein immer höherer Krankenstand unter den Mitarbeitern. Arbeiten die verschoben, oder abgesagt werden müssen bedingt durch kranke Mitarbeiter.“
"Keine klare Regelung, schlechte Materialverfügbarkeit, zu wenig Personal!"
"Der Beratungsaufwand ist aktuell sehr hoch. Wobei ich immer davon spreche, um die Kunden erst einmal wieder zu beruhigen, dass es ein Entwurf ist. Da wird sich noch einiges an alternativ Lösungen als auch Härtefallklauseln geben. Dann kann ich Termine auf längere Sicht schieben. Also alles im grünen Bereich."
"Die Kundschaft ist sehr verunsichert und auch wir können keine Auskunft über die jetzige Lage machen."
"Die Auftragslage ist gut und die Anfragen sind sehr häufig. Sehr oft werden mehrere Alternativen angefragt, aber das Einfachste beauftragt. Der Kunde ist – wie geschildert – verunsichert. Der Fachbetrieb muss unbedingt objektiv umfassend beraten und dem Kunden die Angst nehmen. An der fachlich richtigen Beratung von Kollegen kann oft gezweifelt werden. Es müsste dem Kunden auch in der Öffentlichkeit mehr geraten werden das er auch mit Kleinigkeiten die er eventuell selber ausführen kann Energie sparen kann. z.B.: Wärmedämmung von Rohrleitungen im Keller; niedrigere Einstellung der Heizkurve; besseres Lüften der Wohnung; Reinigen der Heizkörper von Staub in den Konvektoren der Heizkörper."
"Vor allem die ältere Kundschaft ist stark verunsichert und bestellen panisch neue Gas- bzw. Öl-Geräte um die nächsten Jahre sicher zu sein."
"Die Kunden reagieren panisch und erwarten schnellste Informationen, Angebote und nach Möglichkeit auch sofortige Ausführung. Die Flut von Anfragen hemmt den allgemeinen Betriebsablauf."