Dichtheitsprüfung von Trinkwasserinstallationen
Die Art der Druckprüfung ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Entscheidend sind hierbei die eingesetzten Rohrwerkstoffe, Anforderungen des Objekts sowie generelle Hygieneansprüche zum Schutz der Nutzer. Um dies zu verdeutlichen, finden Sie nachfolgend eine Auflistung der Prüfverfahren.
- Wahl des Prüfverfahrens
Je nach Bauvorhaben und Einstufung der möglichen Gefährdung ist das Prüfverfahren zu wählen. - Dichtheitsprüfung mit inerten Gasen:
In Gebäuden, in denen erhöhte hygienische Anforderungen bestehen (wie z. B. bei medizinischen Einrichtungen, Krankenhäusern, Arztpraxen), kann die Verwendung von inerten Gasen gefordert werden, um eine Kondensation der Luftfeuchtigkeit in der Rohrleitung auszuschließen und somit eine Kontamination zuverlässig zu verhindern. - Dichtheitsprüfung mit Druckluft:
Die Dichtheitsprüfung wird mit Luft durchgeführt, wenn eine längere Stillstandzeit von der Dichtheitsprüfung bis zur Inbetriebnahme, insbesondere bei durchschnittlichen Umgebungstemperaturen > 25 °C, zu erwarten ist. Somit kann ein mögliches Bakterienwachstum nahezu ausgeschlossen werden. Ebenso ist dieses Verfahren zu wählen, wenn die Rohrleitung von der Dichtheitsprüfung bis zur Inbetriebnahme, z. B. wegen einer Frostperiode, nicht vollständig gefüllt bleiben kann, sodass die Korrosionsbeständigkeit eines Werkstoffes in einer teilentleerten Leitung gefährdet ist.
Achtung: Verwenden Sie bei der Dichtheitsprüfung mit Druckluft die richtigen Gerätschaften. Kompressoren für die Dichtheitsprüfung haben spezielle Komponenten, die eine Einbringung von Feuchtigkeit oder Öl-Derivaten verhindern. - Dichtheitsprüfung mit Wasser (Ausnahme):
Die Dichtheitsprüfung mit Wasser kann durchgeführt werden, wenn vom Zeitpunkt der Dichtheitsprüfung bis zur Inbetriebnahme der Trinkwasserinstallation in regelmäßigen Abständen, spätestens aber nach sieben Tagen, ein Wasseraustausch sichergestellt wird. - Außerdem, wenn sichergestellt ist, dass der Haus- oder Bauwasseranschluss gespült und dadurch für den Anschluss und Betrieb freigegeben ist, die Befüllung des Leitungssystems über hygienisch einwandfreie Komponenten erfolgt, von der Dichtheitsprüfung bis zur Inbetriebnahme die Anlage vollgefüllt bleibt und eine Teilbefüllung vermieden werden kann.
Unfallverhütung bei Druckluftprüfungen
Neben der Sicherheit für die Trinkwasserinstallation spielt auch die Sicherheit der Durchführenden eine wichtige Rolle. Aus diesem werden bei Luft- oder Gasprüfungen nicht dieselben hohen Drücke wie bei Prüfung mit Wasser verwendet. In Abstimmung mit der zuständigen Berufsgenossenschaft wurden die Prüfdrücke bei Luft und inerten Gasen auf maximal 0,3 MPa (3 bar) festgelegt.
Voraussetzungen für eine Dichtheitsprüfung mit Luft oder Inertgas
- Rohrwerkstoffe und Verbindungen müssen eine DVGW-Zertifizierung haben und damit den Nachweis erbracht haben, dass sie nach den anerkannten Regeln der Technik hergestellt und geprüft wurden.
- Vor der Dichtheitsprüfung sind die Verbindungen augenscheinlich auf ordnungsgemäße Ausführung zu prüfen.
- Nach Möglichkeit sollen große Trinkwasserinstallationen in Teilabschnitten geprüft werden, damit die Prüfzeiten kurzgehalten werden können.
Dringende Empfehlung:
Für die korrekte Anwendung, korrekten Drücke (auch in Abhängigkeit der verschiedenen Rohrmaterialien) sowie die notwendigen, zu übergebenden Prüfprotokolle empfehlen wir das Merkblatt „Dichtheitsprüfungen von Trinkwasserinstallationen mit Druckluft, Inertgas oder Wasser“ vom ZVSHK.
Anwendung der verschiedenen Verfahren:
Egal welches Verfahren verwendet wird, grundsätzlich gilt die folgende Reihenfolge:
- erst Dichtheitsprüfung mit 150 mbar,
- dann Belastungsprüfung mit max. 3 bar.
Dichtheitsprüfung mit Wasser
Bei der Prüfung mit Wasser müssen zunächst die Herstellerunterlagen betrachtet werden. Hierbei sind folgende Informationen von Bedeutung:
- Prüfdruck der Pressverbindungen (unverpresst undicht), damit unverpresste Verbindungen erkannt werden können.
Hierfür muss die Leitungsanlage mit dem verfügbaren Versorgungsdruck, maximal 0,6 MPa (6 bar) bzw. nach Herstellerangaben, geprüft werden, bevor die eigentliche Dichtheitsprüfung durchgeführt wird. Die Prüfzeit soll hierbei 15 Minuten betragen. In dieser Zeit darf keine Undichtheit erkennbar sein.
Danach folgt erst die eigentliche Dichtheitsprüfung. Welche sich in Abhängigkeit der Rohrmaterialien wiederum unterscheiden kann.
- Prüfung von Metall-, Mehrschichtverbund- und PVC-Leitungen
Der Prüfdruck: 1,1-facher Betriebsdruck = 11 bar
Prüfzeit: 30 Minuten
Bewertung: am Manometer darf kein Druckabfall erkennbar sein - Prüfung von PP-, PE-, PE-X-, PB-Rohrleitungen sowie damit kombinierte Installationen aus Metall- und Mehrschichtverbundrohren
• Prüfdruck: 1,1-facher Betriebsdruck = 11bar
• Prüfzeit mit 11 bar 30 MinutenHierbei findet eine Kontrolle der Verbindungen statt, wobei kein Leck erkennbar sein darf. Erst danach wird der Druck abgesenkt und zwar von 11 bar auf 5,5 bar.
• Prüfzeit mit 5,5 bar 120 MinutenSomit beträgt die Gesamtprüfzeit 150 Minuten.
Auch hier gilt: am Manometer darf kein Druckabfall erkennbar sein.