Berufliche Veränderung ist in jedem Alter möglich und bereichernd
Interview: Vom Maschinenbau-Ingenieur zum SHK-Anlagenmechaniker:
Herr Frieler, Sie haben ja in jungen Jahren schon eine handwerkliche Ausbildung absolviert und auch in diesem Berufsfeld gearbeitet. Was haben Sie da gemacht?
„Ich habe schon immer ‚an was geschraubt‘. Nach meinem Abitur bin ich beim Bund zum Kfz- und Panzerschlosser ausgebildet worden. Danach habe ich Maschinenbau studiert und auch während des Studiums im Bereich Sondermaschinen, Armaturen- und Werkzeugmaschinenbau gearbeitet. Nach dem Studium wurde ich Projekteur in der Industriehydraulik.“
Wie ging es Ihnen in Ihrem vorherigen Beruf und was war der Grund für Ihre Neuorientierung?
„Als Projekteur bin ich den Aufträgen hinterhergejagt und habe Angebote über Angebote geschrieben – oft mit geringen Margen, hohen Risiken und unter großem Termindruck. Dafür saß ich die meiste Zeit am Schreibtisch. Im Handwerk ist es das genaue Gegenteil. Die Nachfrage übersteigt das Angebot an Fachkräften. Man muss sich die Arbeit nicht suchen – sie kommt zu einem.“
Wie sind Sie auf den Ausbildungsberuf Anlagenmechaniker/in SHK gekommen und wie ging es dann weiter?
„Ich wollte es im berufsnahen Handwerk versuchen. Nach einem kurzen Gespräch wurde mein Nachbar, der SHK-Handwerksunternehmer André Bazalik, mein neuer Chef. Jetzt mussten wir nur noch austüfteln, wie der Berufswechsel vollzogen werden kann. Mir war es wichtig, das Handwerk von der Pieke auf zu lernen. Also habe ich noch mal eine Ausbildung gemacht. Das bedeutete auch, erneut die Schulbank zu drücken. Die meisten in meinem Alter würden dankend ablehnen. Ich erlebte es als Privileg. Was für eine tolle Zeit! Meine etwa 20-jährigen Mitschüler haben mich herzlich und ohne Berührungsängste in den Klassenverbund aufgenommen. Ich konnte viel lernen, aber durch meine große Berufserfahrung auch viel zurückgeben. Am Felix-Fechenbach-Berufskolleg hatte ich ausschließlich Lehrer und Prüfer, mit denen auf Augenhöhe gemeinsam Wissen erarbeitet wurde. Bei meinem Chef habe ich zusätzlich noch viele Kniffe und Tricks gelernt.“
Hatten Sie in all der Zeit keinerlei Bedenken?
„Bedenken wegen meines doch stabilen Alters hatte ich zu keinem Zeitpunkt, da ich fit und gesund bin. Neues zu lernen macht mir Spaß und die Schule war ein bisschen wie im Film ‚Fack ju Göhte‘.“
Gab es Unterstützung irgendwelcher Art?
„Mein Berufswechsel konnte als Umschulungsmaßnahme laufen, so waren meine finanziellen Einbußen überschaubar und für mich gut machbar. Für meinen Ausbildungsbetrieb hat es sich auch gelohnt, da 2 Jahre lang die Lohnkosten übernommen wurden.“
Haben Sie in Ihrem Beruf nun gefunden, was Sie gesucht haben?
„Ich habe mit dem Beruf des Anlagenmechanikers einen der abwechslungsreichsten Berufe, die man ausüben kann. In diesem Beruf findet man fast alle praktischen und theoretischen Herausforderungen, die man sich in einem technischen Beruf wünscht und das jeden Tag anders. Ich engagiere mich inzwischen im Prüfungsausschuss unserer Innung und kümmere mich um die Ausbildung unseres Lehrlings. Meine Erwartungen wurden sogar deutlich übertroffen.“
Würden Sie diesen Schritt noch einmal gehen?
„Wer Bedenken hat, einen ähnlichen Schritt zu gehen: Diese kann ich aus meiner eigenen Erfahrung zerstreuen. Ich habe es keinen Moment bereut und würde es jederzeit wieder tun. Kein Ingenieur, Techniker, Meister, Abiturient, Schüler wird in diesem Beruf enttäuscht sein. Die Entlohnung ist inzwischen sehr ordentlich. Hinzu kommt die hohe Wertschätzung, die man von Kunden erfährt. Und die Bewegung tut gut und hält fit.“
Haben Sie zum Abschluss noch etwas, das Sie den Lesern mitgeben möchten?
„Wie bereits gesagt, ich würde diesen Schritt jederzeit wieder machen, zumal man ja vielfältige Möglichkeiten hat, sich noch weiter zu entwickeln. Schauen Sie nach vorne – Veränderung ist spannend, abwechslungsreich, zukunftsorientiert und macht zufrieden. Das alles findet man im SHK-Handwerk.“
- Axel Frieler
- Jahrgang: 1968
- verheiratet, 2 Töchter
- Studium Maschinenbau
- Tätigkeit als Projekteur im Bereich Hydraulik
- Ausbildung im Rahmen einer zweijährigen Umschulung mit Abschluss 2022 als Jahrgangsbester, Schwerpunkt erneuerbare Energien/Umwelttechnik
- Betrieb: Firma André Bazalik, Familienbetrieb, 7 Beschäftigte